Gemeinsame Bildungsempfehlung Baden Württemberg 2011:

Die gemeinsame Bildungsempfehlung Baden Württemberg dient dazu, fehlerhafte Grundschulempfehlungen zu korrigieren, indem ein schulfremder Lehrer, der Beratungslehrer, eine zusätzliche Prüfung der Fähigkeiten des Schülers durchführt. Hiernach hält die Schule unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Beratungslehrers eine weitere Klassenkonferenz ab, an der der Beratungslehrer mit Stimmrecht teilnimmt.

Gemeinsame Bildungsempfehlung Baden Württemberg - Regelung:

§ 5 Aufnahmeverordnung Baden Württemberg - Gemeinsame Bildungsempfehlung:
(1) Schüler, bei denen der Wunsch der Erziehungsberechtigten und die Grundschulempfehlung nicht übereinstimmen, können auf Antrag der Erziehungsberechtigten an einem besonderen, vom Kultusministerium festzulegenden Beratungsverfahren teilnehmen.
(2) Die Klassenkonferenz hat eine Gemeinsame Bildungsempfehlung von Grundschule und Bildungsberatung auszusprechen. Ihr sind die in § 4 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 und § 4 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 genannten Beurteilungskriterien unter Berücksichtigung des Ergebnisses des besonderen Beratungsverfahrens zugrundezulegen. Der Beratungslehrer oder der Lehrer, der das besondere Beratungsverfahren durchgeführt hat, nimmt mit Stimmrecht an der Klassenkonferenz teil. Die gemeinsame Bildungsempfehlung ist den Erziehungsberechtigten schriftlich mitzuteilen.

Gemeinsame Bildungsempfehlung Baden Württemberg - Praxis:

Die Regelung kann insgesamt getrost als völlig missglückt angesehen werden, was auf Folgendes zurückzuführen ist:

Für die Erteilung der Gemeinsamen Bildungsempfehlung Baden Württemberg ist nach wie vor die Klassenkonferenz zuständig ist, also das Organ, das zuvor die Grundschulempfehlung Baden Württemberg erteilt hat. Der Beratungslehrer nimmt zwar mit Stimmrecht an der Konferenz teil, hat aber kein Vetorecht o.ä. Wer also bereits zuvor Argwohn gegen die beteiligten Lehrer hegte, wird sich hierdurch wenig beruhigen lassen: Der Beratungslehrer kann ja überstimmt werden.

Und auch der Inhalt der Entscheidungsfindung bei der Klassenkonferenz ist völlig unklar:

  • Nach der Regelung in der Aufnahmeverordnung Baden Württemberg geht es nunmehr kumulativ um die Ergebnisse des Beratungsverfahrens und die bereits bei der Grundschulempfehlung Baden Württemberg zugrunde gelegten Gesichtspunkte der Noten in den Fächern Deutsch und Mathematik im Aufnahmezeugnis sowie der Prognose für den Schüler.
  • Wie die Gewichtungen untereinander erfolgen, ist hieraus völlig unklar.
  • Selbst wenn der Schüler anhand des Beratungsverfahrens ausreichende Noten für die gewünschte Schule hätte, ergibt sich aus dem Wortlaut der Norm kein Automatismus, daß er dann die gewünschte Empfehlung erhält.

Ein weiterer Schwachpunkt an dieser Regelung ist, daß die Entscheidungsfindung der Klassenkonferenz wenig transparent ist:

  • Der Beratungslehrer erörtert die Leistungen des Schülers mit der Klassenkonferenz unter Ausschluß der Öffentlichkeit.
  • Es bleibt immer ein fader Beigeschmack, daß diejenigen, die dem Schüler zuvor eine bestimmte Grundschulempfehlung erteilt haben, natürlich ihre Gründe dafür gehabt haben und diese dem Beratungslehrer auch so darlegen werden.
  • Der Beratungslehrer, der nur eine Prüfung abgehalten hat, wird tendenziell deshalb immer in einer schwächeren Position sein. Es wäre mit Sicherheit zuträglicher, wenn dem Beratungslehrer mehr Rechte eingeräumt würden und seiner Prüfung ein anderes Gewicht. Im Ergebnis bleibt sie bei der Regelung demnach eine Prüfung von vielen im Schuljahr.

Nach alledem ist hier so ziemlich alles unklar. Nach Begründungen für die Entscheidung oder Protokollen, aus denen sich die wesentlichen Elemente der Entscheidungsfindung herleiten lassen, wird man meist ergebnislos suchen.

Aufgrund der Unklarheit der Regelung ist diese natürlich auch sehr fehleranfällig. Näheres hierzu entnehmen Sie bitte beim Rechtsschutz - Gemeinsame Bildungsempfehlung oder kontaktieren Sie mich für eine Erstberatung oder die landesweite Vertretung Ihrer Interessen direkt.

Weitere Links zur Gemeinsamen Bildungsempfehlung Baden-Württemberg 2011:

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